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Hunde in der Twilight Zone

Diego ist vor einem Jahr nach Deutschland gekommen und findet es inzwischen mit seinen Menschen auf dem Sofa sehr gemütlich. Eines Abends liegt er wieder einmal an Frauchen gekuschelt da, als es an der Tür klingelt. Ein Haufen Leute kommt herein – er kennt sie nicht alle, aber Frauchen begrüßt sie freudig, also wird das schon passen ... Die vielen Leute quetschen sich ins Wohnzimmer, auf dem Sofa ist kein Platz mehr. Macht nichts, legt er sich eben vor Frauchens Füße.

Sonst, wenn sie „Besuch“ haben, läuft der Fernseher nicht – komisch. Und es steht Essen auf dem Wohnzimmertisch! Diego hat sich gerade mit der ungewohnten Situation angefreundet, als Herrchen plötzlich brüllend aufspringt. HUCH! Was ist passiert!? Was ist hier los? Alle brüllen auf einmal herum, Flaschen knallen auf dem Tisch, Frauchen schreit! Hilfe!! Diego flüchtet aus dem Wohnzimmer und versteckt sich unter dem Küchentisch. Das macht er seitdem immer, wenn Besuch kommt – Sicherheit geht schließlich vor!

twilightMarcys Frauchen schaut nicht das laute Fernsehen, sie gehen eine ihrer Lieblingsrunden spazieren. Es ist angenehm leer heute im Park, endlich mal in Ruhe schnüffeln, ohne dass man sich dauernd um Artgenossen kümmern muss. Da kommt aus der Ferne ein Geräusch, das sie noch nie gehört hat – ein Brausen, das sie erst nach einer Weile als Menschenstimmen erkennt. Komisch. Aber ist ja weit weg.

Das Brausen wird lauter, und dann bricht völlig unvermittelt die Hölle los! Es knallt aus allen vier Himmelsrichtungen gleichzeitig, Menschen schreien, und in den Kleingärten neben dem Park wird offenbar ein großes Tier entsetzlich gequält, so wie es brüllt. Weltuntergaaaang! Frauchen nimmt Marcy schnell an die Leine – uff, es geht in Richtung Zuhause. Bloß weg hier. An der Kreuzung wird der Lärm noch lauter, warum brüllen jetzt auch die Autos alle? Menschen schreien, wieder knallt es irgendwo ... Marcy ist mit den Nerven am Ende. Den Park wird sie so schnell nicht wieder betreten, sie ist doch nicht wahnsinnig!

Juhuuu ... am 10. Juni beginnt die Fußball-EM.

Nicht jeder Hund wird diese merkwürdigen Vorkommnisse so schlimm finden wie Diego und Marcy. Trotzdem haben viele Hundehalter die bittere Erfahrung machen müssen, dass sie völlig unterschätzt haben, wie unsere Fußball-Party auf ihre Hunde wirkt.

Deshalb möchte ich euch dafür sensibilisieren, vor allem diejenigen, die gar nicht viel mit Fußball am Hut haben und dann völlig unversehens in die Twilight Zone geraten.

Bitte denkt daran: Hunde sind es oft nicht gewöhnt, dass Menschen im Wohnzimmer beim Fernsehen aufspringen und herumschreien! Wenn dein Hund noch Schwierigkeiten mit Menschen hat, setze ihn nicht einer solchen Situation aus. Besonders brüllende Männer können für manche Hunde extrem bedrohlich wirken.

Inzwischen wird wegen jedem Blödsinn Feuerwerk gezündet. Du musst damit rechnen, dass jedes Tor, jeder Sieg mit Geballer quittiert wird. Wenn du noch nicht weißt, wie dein Hund darauf reagiert, oder wenn er Silvester schon Angst gezeigt hat, lass ihn nicht von der Leine, während die Spiele im Fernsehen laufen!

Beim Public Viewing kann eine unglaubliche Geräuschkulisse entstehen. Dass man den Hund nicht in den Biergarten mit der Großleinwand mitnimmt, um sich das Spiel anzuschauen, ist hoffentlich selbstverständlich. Aber denk auch in der Umgebung solcher Orte daran, dass die Schreie magenkranker Mammuts (aka „Vuvuzela“), Böller und das Gebrüll aus tausend Kehlen deinen Hund unvermittelt erschrecken können.

Auch wenn er nicht mit offensichtlicher Angst darauf reagiert – all das kostet „Nerven“, sprich Impulskontrolle, und die kann dann an anderer Stelle fehlen. Rechne damit, dass dein Hund z. B. in altes Verhalten zurückfallen oder auf alle möglichen Auslöser ungewöhnlich heftig reagieren könnte. Dann ist er natürlich nicht „ungehorsam“ oder „stur“, sondern im Hintergrund gestresst, weil er sich seit Tagen in der Twilight Zone zurechtfinden muss ...

Kurzfristige Möglichkeiten, Hunde mit Geräuschangst bei Geballer zu unterstützen, findest du hier.

Passt gut auf eure Schätze auf!
© Katharina Volk

 

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