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Der Hund in freier Wildbahn!

In „der Natur“, bei „den Wölfen“ oder gleich in freier „Wildbahn“ - was es da so gibt oder nicht gibt, wird gern mal als Argument dafür herangezogen, ob etwas für unsere Hunde das Richtige sei oder nicht.

Wenn jemand das anführt (erst recht so jemand wie ein Tierarzt ...), könnt ihr getrost zu lesen aufhören. Wölfe und Hunde haben viel gemeinsam, aber nicht umsonst trägt einer von beiden das Wörtchen „familiaris“ im Namen, sprich: domestiziert, per Definition ein Haustier (ja, auch dann, wenn es „verwildert“ ist). Ergo die artgerechte Umwelt des Hundes - Haus und Hof. Unterschlupf, Schutz, Futter - von uns. Sex - nur wenn’s uns passt. Pinkeln - wann und wo’s uns und den Nachbarn passt! Was, bitteschön, hat „die Natur“ da als Maßstab zu suchen?

Unsere Hunde werden gegen Infektionskrankheiten geimpft, nach Beißereien vom Tierarzt genäht und bei Magendrehung operiert, statt an alledem elendig zu krepieren. Und dafür sind wir doch dankbar. Heizung, Körbchen, immer sauberes Wasser und genug zu fressen, medizinische Versorgung, und bei der „Auslastung“ schön auf die Work-Life-Balance achten: Das sind die Lebensbedingungen unserer Hunde.

Wie kann es dann sein, dass auf der anderen Seite gemosert wird, Hunde bräuchten keine ... (Wärmemäntel, Kühldecken, Agility-Kurse, Entspannungsplätze, die Liste ist beliebig erweiterbar) - das gäbe es schließlich „in der Natur“ auch nicht?! Was soll das für eine Logik sein?

Ein rundum wohlversorgter Hund, der beim Spaziergang im Wald ein Wildtier jagt, ist nicht „Natur“ - oder schläft der vielleicht auch bei minus 10 Grad in einer Schneekuhle im Unterholz?! Nö, am warmen Ofen! Wettert der Tierarzt gegen die Grundimmunisierung, weil die in freier Natur auch kein Hund bekommt?!

Menschen haben die Tierart Hund „geschaffen“, wir Menschen haben ihn in all diese Formen, Haarkleider und Eigenarten gezüchtet, nach unseren Bedürfnissen - und dann soll man sich als Maßstab irgendeine eingebildete „freie Wildbahn“ vorhalten lassen? Weil alles andere wäre ja nicht artgerecht oder gleich *uuuuh, böseböse!* Vermenschlichung!

Klar - der Whippet in den weiten, heißen Steppen, äh ... Englands ... wie hat der eigentlich früher ohne den Menschen (und seine Mäntelchen) überlebt, hmmm?!

Wer jetzt noch nicht grinsen muss, hat das mit der Domestikation vielleicht nicht ganz verstanden? Das Argument mit der „Natur“ ist bei einem Haustier, das nicht mal mehr im Stall, sondern idealerweise im Bett schläft, schlicht absurd. Also, bitte - wenn dein Hund es verträgt, gib ihm bei 30 Grad seinen gefrorenen Kong! Wenn dein Hund friert, zieh ihm was Warmes an! Schütze ihn so gut du kannst vor Krankheiten, Parasiten, Unfällen. Wenn es euch beiden Spaß macht, lass ihn über bunte Hürden hüpfen - aber bitte weder Wildtiere jagen noch unter Fellbergen um sein Leben hecheln oder ohne Unterwolle bei minus 10 Grad in einer Schneekuhle schlafen, ja?

in freier wildbahn

© Katharina Volk 2017

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